Hyperballad

Pressetext Dakini Dance Projects „HYPERBALLAD" ...a journey into the body Premiere 11. Mai 2000, 20.30 Uhr, Dampfzentrale Bern (12./13. Mai 20.30 Uhr und 14. Mai 18.00 Uhr)

Die neue Tanzperformance von Susanne Daeppen hat sich aus einer Vision und einer zweijährigen Researcharbeit mit der Thematik „Walkabout to the Bones" entwickelt. Das Recherchieren galt dem Zusammenhang zwischen der Bewegung, den Gefühlen und dem Zustand der „prima materia", dem Material aus dem unser Körper geformt ist.

Die Bewegungen muten wie die Langsamkeit kleiner Ewigkeiten an. Die Motivation zur Kreation kommt aus einem inneren Antrieb. Susanne's Tanzsprache ist geprägt durch die Verbundenheit zur asiatischen Philosophie, deren Ideologie es ist, dass der Geist über dem Körper ist. Die lange Auseinandersetzung mit dem japanischen Butoh-Tanz fliesst in ihren Stil ein: er ist poetisch, emotional und in zeitlupenartigem Tempo.

Die neue Choreographie „Hyperballad" ist ein sich langsam veränderndes Bild. Die Farben in Bühnenbild und Kostümen sind elektrisierend. Der Bühnenboden hat eine natürliche Konsistenz: getanzt wird auf einer Rasenfläche und einer Fläche aus roter Flüssigkeit. Der rote nasse Untergrund symbolisiert den prägendsten Zyklus eines Frauenlebens: die Menstruation. Die Idee des Bühnenbildes ist eine Hommage an das verlorengegangene natürliche Potential des kreativen Blutes. Die Magie der sich immer wieder öffnenden Wunde wird nach Ansicht der Künstlerin immer noch zu stark versteckt und tabuisiert.

Das Stück gestaltet sich als Solo mit 2 Nebenfiguren, die wie im asiatischen Theater erscheinen und sich wieder auflösen. Die Hauptfigur steht in der Mitte des Lebens. Sie ist Archäologin ihrer selbst und erforscht in magischer Langsamkeit die Körperlandschaft nach ihrer Zusammensetzung und deren emotioneller Bedeutung: Haut, Knochen Fleisch, Elektrizität, Luft, Körperflüssigkeiten, Blutstrom und Organe. Auf der Reise in ihr Inneres erscheinen in bestimmten Zyklen eine alte Frau (Olga Tschumi) und ein kleines Mädchen (Noemi Niederer). Beide bilden die polarisierenden Figuren am Anfang und am Ende eines menschlichen Lebens und machen somit das Vor- und Zurückschauen in der Zeit möglich. Zweifel tauchen auf, ob Zeit überhaupt existiert? Das westlich lineare Denken wird in Frage gestellt.

In diesem Stück arbeitet Susanne das erste Mal mit dem indonesischen Regisseur Boedi S. Otong. Durch diese Zusammenarbeit erhält die Performance eine spannende Mischung von 0st und West, Theater und Tanz.

Die Tänzerin bricht ihr Schweigen: mit Hilfe eines unsichtbaren Body-Mikrophons kommt es zu einem parallelen Bewegungsfluss von Tanz, Atem und Stimme. Sound und Bewegung klingen aus einem Körper und durch diese Synchronizität ist eine kraftvolle Kommunikation möglich. Diese Sounds überlagern sich mit der für das Stück kreierten Musikcollage des experimenterenden Musikers Philipp Läng.

Für die Lichtgestaltung ist Brigitte Dubach verantwortlich. Das Licht ist in dieser Produktion sehr wichtig, denn mit der Langsamkeit können für das Auge des Zuschauers magische Effekte erziehlt werden. Das Bühnenbild kreiert Pierre Niederer, die Kostüme entstehen durch Isa Rosa Müggler.

Die Performance „Hyperballad" trägt die Hoffnung in sich, dass sich die weibliche Kraft entfesselt und sich in seinem vollen Potential manifestieren kann: sei es beim Mann oder der Frau. Eine sinnliche Performance mit visuellen und akustischen Überraschungen.

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